Kieferbeschwerden aufgrund von zu hoher Muskelspannung sind vielfältiger als oft angenommen. Es geht nicht nur um Schmerzen – sondern um ein breites Spektrum an Beschwerden, wie z.B. Kieferfehlstellungen, das Gefühl, den Mund nicht weit genug aufzubekommen, Ohrgeräusche, Tinnitus oder sogar ein Globusgefühl im Hals.
Die hier beschriebenen Inhalte stellen kein Heilversprechen dar und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.
Einseitiges Kauen durch alte Zahnschmerzen, das zur Gewohnheit wurde. Fehlhaltungen mit dauerhaft vorgeschobenem Kopf. Lange Zahnarztbehandlungen mit weit geöffnetem Mund. Unbewusstes Aufstützen des Kopfes auf einer Seite am Schreibtisch. All diese Muster können sich über Jahre einschleifen und entziehen sich oft so sehr dem Bewusstsein, dass sie erst im Rahmen einer gezielten Analyse sichtbar werden.
Das Kiefergelenk ist über Muskeln, Faszien und Nervenbahnen eng mit der Schädelbasis, dem Nacken und der oberen Wirbelsäule verbunden. Kiefer- und Schulter-/Nackenmuskulatur sind durch muskuläre Verkettungen und Nervenverschaltungen eng miteinander gekoppelt. Hinzu kommt die unmittelbare anatomische Nähe von Kiefergelenk und Ohr: Das Kiefergelenk bildet anatomisch den vorderen Abschluss zum Gehörgang – Verschiebungen können sich deshalb auf das Ohr und das Gleichgewicht auswirken. Das erklärt, warum Kieferbeschwerden so oft lange unerkannt bleiben oder falsch zugeordnet werden.
CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) bezeichnet Störungen im Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kiefermuskulatur und Zähnen. CMD ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Überbegriff für sehr unterschiedliche Beschwerden. Als mögliche Ursachen gelten neben Zahnfehlstellungen und Bruxismus auch eine falsche Körperhaltung im Bereich der Halswirbelsäule, Gewohnheiten wie einseitiges Kauen oder übermäßiger Kaugummikonsum sowie Verletzungen wie Schleudertrauma oder langdauernde zahnärztliche Behandlungen mit starker Mundöffnung.
Die Diagnose gehört in zahnärztliche Hände. Der muskuläre Anteil – also chronische Verspannungen der Kaumuskulatur – ist ein Bereich, bei dem eine körpertherapeutische Behandlung sinnvoll ergänzen kann.
Die Kiefermuskulatur ist stark und dauerhaft im Einsatz: beim Kauen, Sprechen, Lachen und Gähnen. Zwei Muskeln tragen dabei die Hauptlast: der Massetermuskel und der Temporalismuskel. Beide spannen sich an, sobald der Kiefer geschlossen wird oder die Zähne zusammengepresst werden, ob bewusst oder unbewusst.
Sind diese Muskeln dauerhaft verspannt, entstehen Schmerzen an Wangen oder Schläfen, im Kiefergelenk vor den Ohren oder auch Zahnschmerzen ohne zahnmedizinischen Befund. Durch die starke Anspannung der Kaumuskulatur können Muskelverspannungen entstehen, die Schmerzen auslösen und auch als Kopfschmerzen wahrgenommen werden.
Nicht alle Kieferbeschwerden äußern sich als Schmerz. Viele Betroffene beschreiben ein diffuses Spannungsgefühl, wie z.B. ein Engegefühl im Kiefer, das sich morgens nach dem Aufwachen besonders deutlich zeigt. Solche Spannungsgefühle gehen häufig nicht von der Muskulatur selbst aus, sondern vom Bindegewebe und den Faszien rund um Kiefer und Wangen: Strukturen, die sich durch Dauerspannung verhärten und die Beweglichkeit des Kiefers einschränken können.
Ein Kiefer, der beim Öffnen oder Schließen knackt, klemmt oder sich nicht weit genug bewegen lässt, ist ein häufiges Zeichen dafür, dass die Kiefermuskulatur dauerhaft unter zu hoher Spannung steht. Treten neben Schmerzen auch Funktionseinschränkungen der Kieferbewegung auf, spricht man von einer möglichen CMD-Folge. In ausgeprägten Fällen kann eine asymmetrische Muskelspannung den Unterkiefer dauerhaft in eine Richtung ziehen, mit Auswirkungen auf Bisslage und Gesichtssymmetrie.
Viele Menschen pressen nachts im Schlaf unbewusst die Zähne zusammen. Oft als Folge von Stress oder Anspannung. Viele Betroffene wissen nichts davon, bis der Zahnarzt Abriebspuren findet oder der Schlafpartner auf die Geräusche aufmerksam macht. Auch tagsüber entlädt sich Stress häufig über den Kiefer, z.B. beim Autofahren, Konzentrieren oder in belastenden Situationen, oft ohne dass es bewusst wahrgenommen wird.
Eine Aufbissschiene schützt die Zähne, löst aber das eigentliche Problem nicht: die erhöhte Dauerspannung in der Kiefermuskulatur. Psychische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Bruxismus.
Wichtiger Hinweis
Bei Kieferbeschwerden sollte immer zuerst eine zahnärztliche Abklärung erfolgen. Meine Behandlung ergänzt die zahnärztliche oder kieferorthopädische Versorgung. Sie ersetzt sie nicht.
Die hier beschriebenen Inhalte stellen kein Heilversprechen dar und ersetzen keine ärztliche oder zahnärztliche Diagnose oder Behandlung.
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CMD ist der medizinische Überbegriff für Funktionsstörungen des gesamten Kausystems – also Zähne, Kiefergelenk und Kaumuskulatur zusammen. Kieferverspannungen beschreiben den muskulären Anteil davon: chronische Dauerkontraktionen der Kaumuskulatur, die Schmerzen, Knacken oder Bewegungseinschränkungen verursachen. CMD wird zahnärztlich diagnostiziert und behandelt. Der muskuläre Anteil lässt sich zusätzlich körpertherapeutisch adressieren.
Ja. Die Kaumuskulatur – besonders der Temporalismuskel an der Schläfe – ist direkt mit dem Kopf verbunden. Dauerverspannungen dort können Schmerzen erzeugen, die sich als Kopfschmerzen, Schläfenschmerzen oder Druck hinter den Augen äußern. Triggerpunkte im Masseter können außerdem in Zähne, Wangen und Ohren ausstrahlen.
Eine Schiene schützt die Zähne vor weiterem Abrieb und kann kurzfristig entlasten – sie verändert aber nicht die muskulären Spannungsmuster, die das Knirschen oder Pressen verursachen. Solange die Kaumuskulatur dauerhaft unter zu hohem Tonus steht, bleibt das Grundproblem bestehen.
Die Kaumuskulatur liegt in unmittelbarer Nähe zum Kiefergelenk und zur Ohrregion. Verspannungen dort können auf umliegende Strukturen einwirken und Ohrgeräusche begünstigen oder verstärken. Tinnitus mit muskulärer Komponente ist ein bekanntes Phänomen – allerdings hat Tinnitus viele mögliche Ursachen, weshalb eine HNO-ärztliche Abklärung immer zuerst erfolgen sollte.
Ist der Kiefer verspannt oder nach hinten verlagert, zieht das Zungenbein ebenfalls nach hinten – das kann den Rachenraum verengen. Über den Trigeminusnerv bestehen zudem direkte Verbindungen zwischen Kaumuskulatur, Rachen und Nasenregion. Das Ergebnis: ein Druck- oder Engegefühl im Hals, das sich anfühlt wie ein Kloß – ohne dass organisch etwas zu finden ist.
Fast jeder Dritte, der wegen eines Globusgefühls ärztlich untersucht wird, bleibt ohne medizinische Diagnose. Wenn die Diagnostik keinen organischen Befund ergibt, sind verspannte Muskeln und Faszien im Hals- und Nackenbereich eine häufige Ursache. pohltherapie
Wichtig: Ein neu auftretendes oder anhaltendes Globusgefühl sollte immer zuerst HNO-ärztlich abgeklärt werden, um organische Ursachen wie Reflux, Schilddrüsenerkrankungen oder andere Befunde auszuschließen.
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